Der Antifaschistische Schutzwall – Eine Polemik

„Rechtsradikale und Nazis gibt es in der DDR nicht.“ So zumindest die offizielle Aussage der Machthaber in selbiger Zone, die einerseits Staatsräson war und andererseits die Grundlage für den Euphemismus „antifaschistischer Schutzwall“, mit dem Mauer und Zäune gerechtfertigt wurden. Die bloße Existenz der DDR als sozialistischer Staat war offenbar für viele SED-Parteigänger schon allein Beweis genug für diese steile These.

Wie der aufgeklärte Staatsbürger-West spätestens seit 1989 weiß, ist diese ostdeutsche Fiktion weiter entfernt von jeder Realität gewesen, als es sich es manch BRD-Bürger je hat träumen lassen. Insbesondere deshalb, weil man in der BRD quasi mit Nazis sogar in höchsten Staatsämtern vertraut war und dank der ostdeutschen Geheimdienste auch niemand darüber im Unklaren gelassen wurde, wo so mancher „aufrechte Demokrat“ in Reihen der Union oder der FDP seine Wurzeln ausgegraben hatte.

Seit Beginn der 80er Jahre rückte in der DDR die rechtsradikale Szene, die zuvor eher im verborgenen und privat agierte, zumindest polizeilich ins Blickfeld, da sich aus den bisher bei Fußballspielen und Cliquentreffen üblichen „normalen Krawallen“ erstmals auch offen rechtsextreme Parolen artikulierten. Anfänglich als pubertärer Gegenpol zur herrschenden kommunistischen Klasse, später dann inhaltlich, konzeptionell und zunehmend ideologisiert („Deutsche Werte“ Fleiß, Sauberkeit, Ordnung, Pünktlichkeit). Daraus etablierte sich im weiteren Verlauf über die Skinheadbewegung und die Faschos eine stabile neofaschistische Szene, deren Entstehen durch die autoritäre politische Kultur der DDR wesentlich begünstigt wurde.

Als diese radikale Bewegung auf die wirklichen deutschen Werte traf, wie Wahrung der Menschenwürde als Staatsräson, Bürgerrechte wie Rede- und Versammlungsfreiheit, Meinungs-, Religions- und Pressefreiheit, wurde es problematisch. Die Westdeutschen waren von dieser ungewohnt schamlosen und geballten Haßfront völlig überrumpelt.
In Westdeutschland kannte man Rechtsradikale als im Wald umherirrende Spinner in Uniformen mit Holzgewehren, als ein paar Unbelehrbare, die in Wunsiedel am Grab von Hess das Wessel-Lied grölten, oder als schwarzbefrackte Randfiguren am Volkstrauertag. In einer pluralistisch geprägten und auf Toleranz basierenden Gesellschaft konnten die Bürger mit diesen Rechtsauslegern recht gut umgehen, zudem stellten diese Verrückten im Westen immer nur eine extreme Minderheit dar, der zudem biologisch immer mehr Mitglieder abhanden kamen, als neue dazu stießen.

Leider zeigte sich nach 1989 das gesamte Versagen der westdeutschen intellektuellen Elite. Statt zu analysieren, zu erkennen und zu handeln, verstrickte sie sich in der moralischen Diskussion, in der sie nur verlieren konnte, da man extremen und menschenverachtenden Meinungen nicht mit Moral begegnen kann, sondern nur mit Mitteln der Gefahrenabwehr.
So, wie die Feuerwehr Schneisen in den Wald schlägt, um den Flammenübergriff zu verhindern, hätten sich die westdeutschen Intellektuellen einerseits und die gesamtdeutsche Politik andererseits auf das Argumentieren und den Austausch mit denen beschränken müssen, die gefährdet waren, von solchen einfachen und extremen Parolen angesteckt zu werden.
Nichts von dem ist passiert. Im Gegenteil. Hoyerswerda, Rostock- Lichtenhagen etc. waren zwar deutliche Warnung, wurden aber nicht als solche wahrgenommen.
Die Intellektuellen stritten und streiten sich auf moralischer Ebene mit Brandstiftern, kräftig flankiert von einer gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen hilflosen Politik, die ihrerseits, erst mittels der Treuhand und anschließend mittels Hartz IV, die Menschen, denen die deutsche Einheit zwar mehr Freiheit aber weniger Existenzsicherung gebracht hat, allein gelassen hat mit dem Hinweis, sie hätten ja jetzt Freiheit und blühende Landschaften.

Das konnte nur zu der jetzigen Situation führen, die in der Aussage einer zu den Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit in Dresden angereisten Demonstrantin gipfelten, sie wolle nicht, daß es in Sachsen so werde, wie in Westdeutschland.
Deutlicher kann man es eigentlich nicht ausdrücken. Die Freiheit macht ihnen Angst. Sie sehnen sich hinter die Mauer zurück, hinter der es so schön berechenbar war, wo man Karriere machen konnte, wenn man das Maul hielt und im Strom schwamm. Wo es keine Ausländer gab, und wenn, dann im Ghetto. Wo man keine Verantwortung tragen brauchte, weder für das, was man tat noch für das was man nicht tat. Und wo alles durchgeplant und vorgegeben war. Absolute Sicherheit eben. Wer sich dort wohl fühlt und dort nicht weg will, für den hat eine Selbstschußanlage an der Grenze nichts Bedrohliches, sondern etwas schützendes.

Und um jetzt dann doch noch zu der im Titel angekündigten Polemik zu kommen:

Wenn ich mir das auf der Zunge zergehen lasse, dann wird mir zweierlei klar:

  • In einem Land, in dem Menschen lebten, dort aufwuchsen und ihre Kinder entsprechend erzogen haben, die von 1933 bis 1989 nichts anders kannten, als die Unfreiheit des Denkens und die Angst vor allem Fremden und Neuen, in solch einem Land konnte nichts anderes entstehen, als Unfreiheit im Denken und Angst vor allem Fremden und Neuen.

  • Der Begriff „Antifaschistischer Schutzwall“ war so falsch nicht. Nur sollte nochmals darüber nachgedacht werden, wen dieser Wall vor wem geschützt hat.

Aus dieser Sicht erscheint es mir ratsam, darüber nachzudenken, ob es nicht sinnvoll wäre, evtl. vorhandenen Sezessionsbestrebungen in den östlichen Bundesländern nachzugeben und zunächst ein siebzehntes Bundesland einzurichten (Lausitz wäre passend), welches dann mittels eines neuen antifaschistischen Schutzwalles abgetrennt (Der unter den ostdeutschen Pegidisten sehr oft zitierte Victor Orban könnte Tipps geben) und anschließend in ein zweites Deutschland überführt würde (darin haben wir ja alle Übung). Ohne EU-Mitgliedschaft und als Paradies all derer, denen die Freiheit der Westdeutschen, wie sie bis 1989 geherrscht hat, zu viel geworden ist oder schon immer zu viel war.

Und als Nebennutzen wäre auch noch all den westdeutschen Bürgern geholfen, denen nach 1989 das Ziel ihres haßerfüllt vorgetragenen „Dann geh doch nach drüben!“ abhanden gekommen ist.

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Sie lernen es einfach nicht!

Die SPD paukt CETA durch ihre Gremien. Wo ist der vermutete Widerstand? Geopfert auf dem Altar der Kanzlerkandidatur des Vorsitzenden. Offenbar zählt die Chance, die vermeintliche Schwäche der Amtsinhaberin und ihrer Partei auszunutzen, um ein paar Prozentpunkte hinzuzugewinnen, mehr, als die Sachfragen, um die es doch bei so einem weitreichenden Abkommen und den damit verbundenen Risiken gehen sollte.
Dazu die Absetzbewegungen hinsichtlich der Zuwanderungsproblematik, bei der die Sozialdemokraten so tun, als hätten sie mit der Wir-schaffen-das-Situation nicht das Geringste zu tun. Dieses Vorgehen kann man mit Fug und Recht nur noch als schäbig und abstoßend bezeichnen.

In der Union beginnt das Schaulaufen der Subalternen um die Nachfolge des Parteivorsitzes und der damit verbundenen Kanzlerkandidatur, als ob es angesichts der momentanen Situation nicht wichtigere Probleme gäbe, die gelöst sein wollen.

Und nun noch ein Erbschaftssteuer-Kompromiss, der zum Einen dazu führt, daß, wie es der Vorsitzende der Linkspartei zwar polemisch aber durchaus treffend formulierte, die Reichen gepudert werden zu Lasten der Steuereinnahmen des Staates, aus denen viele Infrastrukturmaßnahmen nicht finanziert werden können, weil es an Geld fehlt und der zum Anderen vermutlich wieder vor den Schranken des Gerichtes in Karlsruhe enden wird. Auch hier treffen die Vokabeln „schäbig“ und „abstoßend“ zu.

Die AfD rekrutiert ihre Wählerschaft zu einem großen Teil aus dem Reservoir der Nichtwähler. Vergegenwärtigt man sich die Leserbriefe, die Straßeninterviews im TV, die Beiträge in Bürgerdiskussionen und die Äußerungen an diversen Stammtischen der letzten Jahre, dann hat man einen Eindruck, wie sich diese Gruppe der Nichtwähler zusammensetzt. Nicht nur aus Rechtsextremen, die sich offen bekennen, sondern zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Menschen, die diese Art von Politik schon seit Jahren abstößt.

Man fragt sich, was genau noch geschehen muß, um zu erreichen, daß in den etablierten Parteien diejenigen aufstehen und sich zu Wort melden, die verstanden haben, daß sie mit ihrer Machtsicherungspolitik es sind, die die AfD und ihre widerlichen Steigbügelhalter fettgefüttert haben? Oder geht es evtl. gar nicht um Sachfragen? Haben wir es mit einem Systemversagen zu tun, dessen Ausmaße wir noch gar nicht absehen können? Müssen wir die AfD und ihre Spießgesellen tatsächlich erst im Bundestag erleiden, bis sich alle Beteiligten eines Besseren besinnen?

Hoffentlich ist es dann wenigstens ein heilsamer Schock. Die bisherigen aus Baden-Württemberg, Mecklenbug-Vorpommern und Berlin waren offenbar noch nicht heftig genug.

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Welt-Doping-Festspiele

Monatelang wurde gerungen, gelogen, gedopt und betrogen. Am Ende haben sich dann doch alle wieder lieb und treffen sich in der aktuellen Olympia-Hauptstadt und testen aus, wer die Dopingtester am effektivsten hinters Licht führen kann und wer dafür mit dem begehrten Edelmetall ausgezeichnet wird.
Im Hintergrund lächeln die Herren der Ringe alle Zweifel am zweifelhaften Treiben weg und tun das, was sie seit jeher am besten können, sie kassieren. Offiziell und inoffiziell, legal und illegal. Aber immer zum persönlichen Vorteil.

Dieses System könnte dem normalen Bürger relativ egal sein, wenn die dahinterstehende Logik nicht unser aller Alltag bestimmen würde.
Sponsoren schlagen ihre Gebühren, die sie für die telegene Vermarktung ihrer Produkte im Sportumfeld zahlen müssen, auf die Endverbraucherpreise auf.
Die exorbitanten TV-Gelder, die für die Übertragung in unser aller Wohnzimmer fällig werden, sind Teil der Zwangsgebühren, die der Bürger auch zahlen muß, wenn ihm dieser ganze Zirkus am Allerwertesten vorbeigeht.

Man könnte auch das sogar noch verschmerzen, da durch einen evtl. Wegfall von Olympia weder die TV-Gebühren noch die Verbraucherpreise sinken würden.

Das eigentliche Problem hinter Olympia und den damit verbundenen Strukturen aber ist das Vorbild, daß Kindern und Jugendlichen damit vermittelt wird:

  • Nur Sieger zählen
  • Nur Sieger verdienen Geld
  • Leistung allein lohnt sich nicht
  • Ohne Betrug wird man kein Sieger
  • Wer sich diesem System nicht unterwirft, wird immer Verlierer sein
  • Wer Verlierer ist, ist nichts wert

Sport um des Sportes Willen, zum Erkennen seiner persönlichen Grenzen, dem Erkennen, daß man mit Willen und Training diese Grenzen verändern kann und daß man auch scheitern kann, ohne ein Verlierer zu sein, all diese Erkenntnisse werden verhindert durch die Perversion des olympischen Gedankens und durch das olympische System der Neuzeit, das alle je vorhandenen Ideale verraten und dem Gewinnstreben geopfert hat.

Dabei muß jedem klar sein: Wer bei diesem System mitmacht, sei es, indem er die Einschaltquoten nach oben treibt, indem er die Mittel, mit denen diese „Leistungen“ zustande kommen, ignoriert oder verleugnet, indem er sich oder seine Kinder diesem auf Sieg fixierten Leistungsgedanken unterordnet, indem er gar das systematische Lügen und Betrügen der Athleten und Funktionäre gutheißt oder gar deckt, der ist Teil dieses betrügerischen und verkommenen Systems. Ohne Wenn und Aber.
Und sollte sich folgerichtig nie wieder darüber beklagen, daß unsere Gesellschaft aus lauter Egoisten besteht und niemand mehr einen Gedanken an den Anderen verschwendet.

Noch ein letzter Gedanke: Fast alle Veranstalter der Welt-Doping-Festspiele tragen noch Jahrzehnte an den Schuldenlasten (Montreal, Athen und Sydney seien exemplarisch genannt), die Anlagen werden selten, wie in München, weiterhin genutzt und verfallen. Der Durchzug der IOC-Truppe gleicht in vielen Fällen einem Hurrikan, der Schulden und zerstörte Landschaften hinterläßt.
Ich bin den Hamburgern auf ewig dankbar, daß sie sich in der Mehrheit diesem Unsinn verweigert haben. Die Münchner und Berchtesgadener waren ähnlich weitsichtig.

Wohl denen, die man wenigstens vorher fragt.

Abschließend noch ein Link auf einen völlig anderen Aspekt, der in der Konsequenz in die gleiche Richtung führt: Michael Schulte-Markwort – Wir sollten uns von Olympia verabschieden

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Viel Wind !

Nachricht 1:
Am örtlichen Schießstand des Schützenvereins Bramfelder SV fielen am 22.07.2016 gegen 19:00h hunderte Schüsse.

Nachricht 2:
In Hamburg sterben am 22.07.2016 mehrere Menschen infolge fehlerhaften oder vorsätzlichen Verhaltens von Verkehrsteilnehmern, Alten-und Krankenpflegern und Ärzten.

Die Tagesschau berichtet am 22.07.2016 zu Beginn völlig konfus, daß es aus München eigentlich nichts zu berichten gibt.
Daß gleichzeitig mehrere Menschen durch alltäglichen Pfusch, Vorsatz oder Fahrlässigkeit durch verschiedene z.T. als ehrbar eingestufte Menschen ums Leben kommen und bundesweit an mehreren Stellen Schüsse fallen, ist dagegen keine Nachricht wert.

Selbst die Tatsache, daß pro Jahr ca. 4.500 Menschen direkt an oder in Folge der mangelnden Hygiene in deutschen Krankenhäusern an multirtesitenten Erregern (MRE) sterben, läßt Politik und Presse fast völlig kalt.

Offenbar jieperten aber schon einige Politiker und Journalisten danach, daß wir in Deutschland auch „endlich“ einen „richtigen“ Anschlag von Terroristen zu vermelden haben (Der Axtschwinger von Würzburg ist ja gegen die Aktionen in Paris nur ein kleiner Fisch). Bundesinnenminister Thomas „Die Misere“ hat sogar extra seinen Urlaub abgebrochen…

Es handelte sich bei dem Täter in München aber „leider“ nur um ein Amokläufer. Ohne Bezug zu einer irgendwie gearteten „Terrororganisation“. Und wieder nichts mit schwarzrotgold angestrahltem Eiffelturm, Tower-Bridge, Capitol, etc. …

Nicht, daß ich falsch verstanden werde, mir tun die Betroffenen von Herzen leid. Deren Leid wird aber nicht gelindert, wenn die Nachrichtenredaktionen und mit ihnen die „sozialen“ Medien hyperventilieren. Im Gegenteil.

Der AfD und ähnlich Gestrickten kommt dieser mediale Wind dagegen ganz recht. Siehste, werden sie sagen …

Nachtrag vom 25.07.2016: Der Eiffelturm wird in deutschen Farben angestrahlt. Na bitte …

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Rechts vor Links?

Parteien haben Etiketten. Manche davon gelten noch, manche sind sogar Markenkern, manche sind Schwindel und manche sind sogar Schwindel, obwohl sie Markenkern sein sollen.

Auf dem Etikett der AfD steht beispielsweise „Ausländer raus“. Auf dem Etikett der Linken z. B. steht „Bänker raus“ oder „Reiche enteignen“. Auf dem Etikett der SPD steht … aber lassen wir das, um die geht es hier nicht.

Es drängen sich Fragen auf.

  • Warum finden sich mehr Bürger unter dem Etikett „Ausländer raus“ zusammen, als unter dem Etikett „Reiche enteignen“?

  • Warum glauben diese Bürger, daß wo „Ausländer raus“ draufsteht, auch „Ausländer raus“ drin ist? Wo „sozial“ draufsteht, ist doch auch nicht „sozial“ drin. Und in der Packung mit dem Etikett „Reiche enteignen“ war auch nur „mit der SPD regieren“ drin.

  • Sind die Bürger trotz aller Erfahrungen für rechte Politikplattitüden immer noch empfänglicher, als für linke?

Es bleibt viel zu tun, um aus jahrhundertelang gegängelten Staats“kindern“ mündige Bürger zu machen. Also los, etablierte Parteien. Nicht greinen. An die Arbeit. Aber hurtig. Neue Politik braucht das Land. Nicht neuen Etikettenschwindel.

Und ihr Bürger ? Nicht brüllen und hinterherlaufen. Denken ! Und wenn es geht, selbst !

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Ja wo leben wir denn?

  • Große Gruppen von Migranten bedrängen Frauen in aller Öffentlichkeit in widerlichster Weise bis hin zu versuchter Vergewaltigung.

  • Rechtsextreme Bürger, die bisher nicht dadurch aufgefallen sind, daß ihnen die Rechte von Frauen besonders am Herzen liegen, formieren sich zu Bürgerwehren, um Frauen zu schützen.

  • Zwei arabische Migranten verprügeln und bestehlen einen jüdischen Deutschen, der als solcher klar erkennbar war und beschimpfen ihn besonders wegen seiner religiösen Orientierung.

  • Linke Politiker, die bisher besonders dadurch aufgefallen sind, daß sie Übergriffe auf jüdische Bürger, die in der Regel durch Neonazis verübt werden, mit aller gebotenen Vehemenz anprangern und sich zu Recht gegen solche Übergriffe positionieren, verhalten sich merkwürdig still.

  • Eine konservative Kanzlerin setzt geltendes Recht im Handstreich außer Kraft, hebt die Grenzen auf und gestattet es, daß eine große Anzahl von Migranten unregistriert ins Land gelangen, womit sie eine alte Forderung der Antifa (No borders, no nations) erfüllt.

  • Ein sozialdemokratischer Kanzlerkandidat fordert Grenzschließungen und Kontrollen, um ungehinderten Zuzug von Migranten zu stoppen und übt dabei unausgesprochen den Schulterschluß mit der CSU.

Die Lager an den politischen Rändern bezichtigen sich gegenseitig er verallgemeinernden Hetze.

  • Rechte nehmen einige kriminelle Migranten zum Anlaß, alle Migranten als potentielle Verbrecher zu verunglimpfen.
  • Linke nehmen rechtsextreme Scharfmacher zum Anlaß, alle Bürger, die sich angesichts der Flüchtlingssituation Gedanken und Sorgen machen, als Nazis zu verunglimpfen.

Was um alles in der Welt, hat uns geritten, zu glauben, wir lebten in einer gesicherten Demokratie und einer gefestigten Zivilisation, wenn die Ankunft von einer Million fremder Menschen uns derart aus der Bahn wirft, daß klares Denken und Argumentieren nicht mehr funktionieren? Selbst schreckliche Vorkommnisse wie in Köln werden umgehend parteipolitisch ausgeschlachtet, auch von gemäßigten politischen Gruppierungen wie FDP und CDU.

Allenthalben hört man Rechtfertigungen für den jeweils eigenen politischen Standpunkt.

Rechte verweisen auf Schlägereien im Flüchtlingscamps, auf Vorgänge wie in Köln oder Hamburg an Silvester 2015, auf „Ehrenmorde“ und Parallelgesellschaften, wenn sie nach Gründen für ihre kritische bzw. oftmals offen feindselige und immer kompromisslose Haltung gegenüber Migranten gefragt werden.

Linke verweisen auf die kaputte deutsche Kultur (Egoismus, Ausländerfeindlichkeit, immer noch vorhandener Antisemitismus, die jüngere deutsche Geschichte), wenn sie ihre Träume von multikulturellen Gesellschaften rechtfertigen und die unkontrollierte Einwanderung ebenso offen feindselig und ebenso kompromisslos verteidigen.

Beide Seiten treten dabei mit einer moralisierenden Attitüde auf, die nur schwer erträglich ist.
Die Rechten lassen dabei alte Herrenmenschenmentalität durchblicken, die in den allerseltensten Fällen auch nur im Ansatz gerechtfertigt ist; bei den Linken herrscht eine antideutsche Haltung vor, gepaart mit einer Idealisierung der Migranten, der diese selbst mit bestem Willen nicht entsprechen können.

Besonnene Stimmen gehen leider unter. Was könnten diese besonnen Stimmen gesagt haben?

  • Ja, die deutsche Kultur ist keine Blaupause für die Welt, insbesondere nicht die aktuell hier herrschende.
  • Ja, die gesellschaftlichen Grundkonsense, die hier Grundlage des Zusammenlebens sind, erodieren, wenn auch schleichend, aber sie tun es.
  • Ja, es gibt in Deutschland ein Vollzugsdefizit hinsichtlich von Gesetzen und Regelungen und es gibt ein Defizit an Einsicht in die Notwendigkeit disziplinierten Handelns.
  • Ja, es gibt in Deutschland ein Autoritätsproblem.
  • Ja, in Deutschland gibt es Dinge, für die es sich einzutreten lohnt. Eines davon ist die Verfassung, die uns weitgehendere Freiheiten gewährt, als in fast jedem andern europäischen Land.
  • Nein, diese Freiheiten sind nicht selbstverständlich. Die Bürger müssen Tag für Tag dafür werben und argumentieren.
  • Ja, es gibt gesellschaftliche Sozialisationen von Migranten, die mit der hiesigen inkompatibel sind.
  • Ja, Deutschland wird, so es denn bei den Nationalstaaten bleibt, auf Dauer nicht umhinkommen, Migranten abseits von humanitären Verpflichtungen aufzunehmen, um die überalternde Gesellschaft wieder zu verjüngen.
  • Ja, Deutschland hat nur eine gewisse Menge X zur allgemeinen Verteilung zur Verfügung. Dieser Menge X steht einer anderen Menge an Bewohnern, Y, gegenüber. Wenn konstant X durch ansteigend Y geteilt wird, wird Ergebnis Z weniger.
  • Ja, das macht vielen Menschen Angst.
  • Ja, Deutschland muß daher Migranten fragen, warum sie zu uns wollen und wie sie sich das Leben in Deutschland und den Umgang mit den oben genannten Freiheiten vorstellen, ganz besonders dann, wenn sie aus Kulturkreisen stammen, in denen diese Freiheiten nicht nur nicht selbstverständlich sind, sondern sogar abgelehnt werden.
  • Ja, wenn diese Fragen gestellt und gesellschaftlich akzeptiert beantwortet werden, erhöht sich bei der Menge Y die Bereitschaft, zunächst weniger Z zu akzeptieren, weil man die Bereitschaft erkennen kann, gemeinsam daran zu arbeiten, daß X und in der Folge auch Z wieder größer werden.

Es ist völlig unstreitig, daß die reale deutsche Kultur nicht frei von Unzulänglichkeiten und gerade in der augenblicklichen Verfassung weit davon entfernt ist, eine Leitkultur zu sein. In einigen Städten entstehen rechtsfreie Räume, der deutsche Standardbürger ist immer weniger bereit, Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen (wie man an dem tagelang herumliegenden Müll nach Silvester sehr gut ablesen kann, um nur ein Beispiel zu nennen), Steuergesetze werden von weiten Teilen der Bevölkerung als Drangsalierung oder wahlweise als Empfehlungsgrundlage mißverstanden, Ahndungen von Gesetzesverstößen werden als Eingriff in die persönliche Freiheit oder als Willkürmaßnahme empfunden.
Die bürgerliche Gesellschaft suhlt sich bislang in einer vermeintlichen Liberalität, die im Grunde nichts als Ignoranz und Gleichgültigkeit ist und in einen Egoismus gemündet hat, der die individuelle Verantwortung für das Gesamtgefüge vollständig ausblendet.

Aber jetzt, wo die Bürger teilweise am eigenen Leibe erleben, wie dünn die Decke der Zivilisation ist (die täglich millionenfach ins Internet gepusteten Haßbotschaften bisher unbescholtener Bürger sprechen eine deutliche Sprache), hat die Gesellschaft die Gelegenheit, sich selbstkritisch zu fragen, was zu tun ist, um diese Decke etwas dicker und vor allem reißfester zu machen.

Migranten, die wegen unserer Freiheiten hier und nirgendwo anders leben wollen, Bürger, die sich ernst genommen fühlen und Menschen, die selbstbewußt für diese Freiheiten eintreten und sie verteidigen, ohne dabei Maß und Ziel aus den Augen zu verlieren, wären die ideale Grundlage für diesen gesellschaftlichen Reifeprozess. Eine solche Bürgergesellschaft kann sich eine Meinungsbandbreite von rechtskonservativ bis linksliberal leisten. Die Marginalisierung linksextremer Antideutscher und rechtsextremer Rassisten ist dann ein zwangsläufiger und begrüßenswerter Nebeneffekt.

Bleiben nur:

  1. Die Frage: Wie können sich diese besonnen Stimmen Gehör verschaffen?
  2. Und die Antwort auf die Ausgangsfrage: In Europa. Anfang 2016.
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The Thin White Duke will sing nevermore

Eines der ersten Lieder, die ich Anfang der 70er auf Kasette aufgenommen habe, war „The Laughing Gnome“. Ich mochte diesen fröhlich vorgetragenen und ideenreichen Popsong. Und ich war elektrisiert von dieser klaren und akzentuierten Stimme, die mich bis heute fasziniert. Und dann „Heroes“, diese unglaubliche Hymne. Sie war mir, allen evtl. Klischeevorwürfen zum Trotz, der liebste seiner Hits.

Viele spätere seiner Lieder sagen und sagten mir nichts; irgendwann auf seiner langen Reise durch sein Musikuniversum hat er mich verloren. Gleichwohl habe ich immer wieder hingehört in der Hoffnung, etwas für mich zu entdecken. Das eine oder andere Stück ist stets dabei hängengeblieben. „Jump, they say“ ist z.B. so ein Fund. Diese ungeheure Wandlungsfähigkeit, dieses immer-aufgeschlossen-für-Neues-sein und die Experimentierfreudigkeit bis zuletzt sind einzigartig.

Ein Zitat aus der Rezension des Hamburger Abendblattes: Jagger, McCartney etc. pflegen vorzugsweise ihre Legende. Bowie dagegen entwickelt sich weiter und erfindet sich mit jedem Album neu.

Und jetzt plötzlich soll damit Schluß sein? Ich mag es nicht glauben. Ruhe in Frieden. Und grüß‘ Major Tom und all die anderen. Another Blues Singer back home …

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Nolympia in Hamburg

Wenn ich heute in der Tagespresse lese, daß die größten Pusher der Olympiabewerbung sich als schlechte Verlierer gerieren und von „blamieren“, „enttäuscht von meiner Stadt“ und von „Angstmacher haben gewonnen“ reden, dann weiß ich, daß ich alles richtig gemacht habe.

Es ist jetzt nur noch eine Frage von Tagen, bis erneut der Volksentscheid in Frage gestellt wird. Wie immer, wenn „das Volk“ einfach anders abstimmt, als deren gewählte Vertreter. Solange aber die von Brecht angeregte Abwahl des Volkes durch die Regierung keinen Verfassungsrang hat, sollte den gewählten Volksvertretern der Ausgang der bisherigen hamburgweiten Referenden zu Denken geben. Einmal, als sie noch nicht dazu verpflichtet waren, haben sie sich nicht an das Votum des Volkes gehalten. Wie schief das ging und wie teuer das den Steuerzahler kam, ohne das der daraus einen Nutzen hatte, ist bekannt.

Wohlan. Gehen Sie die Probleme an Herr Bürgermeister. Geld ist offenbar vorhanden, geben Sie es aus für Dinge, die den Bürgern unmittelbar zugute kommen. Die vielen kleinen Sozialprojekte der Stadt, die ums Überleben kämpfen, werden es ihnen danken.

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Sicherheit? Oder doch lieber Freiheit?

Nach den Anschlägen von Paris werden die Rechte der Bürger sowohl in Frankreich als auch in Belgien massiv eingeschränkt. Und die Bürger der besagten Länder finden das völlig in Ordnung. Sie fordern das sogar ein. Nicht nur, daß diese Einschränkungen ohne Parlamentsbeschluß eingeführt werden können, nein, es kann sogar ein Minister im Alleingang beschließen, Rechte, für die in Revolutionen gestorben wurde, zur Disposition zu stellen.

Wie kann das sein, frage ich mich? Wie kann es sein, daß das Militär mit weitreichenden polizeilichen Befugnissen ausgestattet wird, obwohl es weder über eine entsprechende Ausbildung noch diesem Zweck dienliche Befehlsstrukturen verfügt? Wie kann es sein, daß für mehrere Monate der Ausnahmezustand verhängt wird, in dessen Folge die elementarsten Grundrechte wie Unverletzlichkeit der Wohnung oder Aufenthalts- und Versammlungsrecht quasi nicht mehr existent sind.

Ist das der Preis für Sicherheit? Eine Sicherheit, die nur zum Schein vorhanden ist und die vorgibt, mich davor zu schützen, von wahnsinnigen Terroristen in die Luft gesprengt zu werden, ohne diesem Anspruch je gerecht werden zu können? In einer Welt, in der das Risiko, von einem Auto überfahren zu werden, um ein Vielfaches höher ist, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen?

Es ist grausam, das zu formulieren, aber wir beginnen, Lebensrisiken zu negieren. Und Opfer eines Terroranschlages zu werden, ist in der modernen Welt nicht erst seit dem 11.09.2001 ein normales Lebensrisiko. Genauso, wie im Straßenverkehr zu Tode zu kommen. Wollen wir deshalb die Grundrechte zur Disposition stellen? Ich meine, Nein, Nein und nochmals Nein!

Den Franzosen, Amerikanern und Belgiern kann man zu Gute halten, daß ihnen, im Gegensatz zu uns Deutschen, die Erfahrung fehlt, was es bedeutet, wenn ein Staat sich die Rechte nimmt, zu tun und zu lassen, was er will und diese auf die abscheulichste Weise mißbraucht. Wir Deutschen sind in dieser Hinsicht wesentlich sensibler, daher sind solche Auswüchse, wie sie zurzeit in Frankreich und Belgien zu beobachten sind, glücklicherweise in Deutschland auch rechtlich in der Form nicht möglich. Ich bin ein wiederholtes Mal froh, in Rechtsbereich genau dieser Verfassung zu leben.

Es bleibt zu hoffen, daß Belgiern und Franzosen und auch den Amerikanern dieser deutsche Erfahrungsvorsprung erspart bleibt. Obwohl gerade Letztere stark gefährdet sind, diesen Vorsprung einzuholen.

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Warum sind „wir“ nur Paris ?

Mehrere schreckliche Anschläge trafen die Hauptstadt der Franzosen. Viele Menschen verloren ihr Leben. Die Welt trauert. Zu Recht.

Aber mir stellen sich Fragen.

Warum trauerte die Welt nicht auch um die 40 Menschen in Beirut, die von den gleichen Verbrechern ermordet wurden?

Warum trauert die Welt nicht um die 224 Menschen, die in einem russischen Flugzeug mutmaßlich von den gleichen Verbrechern ermordet wurden?

Warum trauert die Welt nicht um die vielen Israelis, die von den gleichen Verbrechern seit Jahren ermordet werden ?

Warum erstrahlten die Bauwerke der Welt nicht in den libanesischen, russischen oder israelischen Farben?

Warum fanden sich vor den russischen, israelischen und libanesischen Botschaften keine Menschen mit Lichtern ein?

Zu weit weg? Zu wenig ähnlich zu „uns“? Zu fremd? Zu gleichgültig?

Warum gibt es diese Rangfolge der Trauer und Anteilnahme?

Oder ist es gar nur Inszenierung ?

Fragen, auf die ich keine plausible Antwort habe …

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