Von Gleichem und Ungleichem

Von den Suffragetten bis Alice Schwarzer war ein langer und schmerzlicher Weg. An dessen vorläufigem Ende stehen ein Grundgesetz mit einem Gleichheitsartikel und eine Generation von jungen Frauen, die es sich gar nicht vorstellen können, daß ihre Mütter und Großmütter die Ehemänner noch um Erlaubnis fragen mußten, wollten sie einer beruflichen Tätigkeit nachgehen.

Aber was steht noch in der Bilanz dieses Geschlechterkampfes, der er unzweifelhaft lange Jahre war und der bis heute von einigen Unentwegten weiter geführt wird ? Ob berechtigt oder nicht, soll an dieser Stelle unbeantwortet bleiben.

In der Politik ist ein Thema angekommen, das aufmerksame Beobachter schon vor 30 Jahren erkannt haben, daß aber nie den Weg in die tagesaktuellen Schlagzeilen geschafft hat. Jungen in der Gesellschaft haben einen schweren Stand. Mädchen laufen ihnen hinsichtlich Bildung und Sozialkompetenz den Rang ab.

Wie konnte es dazu kommen ? Die Ratlosigkeit, die auf diesem Gebiet herrscht, formuliert sich in der Frage eines bekannten Liedes: Wann ist ein Mann ein Mann ?
In Australien und Großbritannien wird der Erforschung der Bildung sozialer Kompetenzen von Jungen schon seit Langem Raum gegeben, in Deutschland war dafür öffentlich kein Platz, da die Lautsprecher der Frauenbewegung auch die Deutungshoheit über den Frauen „Stammtischen“ hatten und zum Teil noch haben.

An diesen Stammtischen herrschen einige Grundüberzeugungen, die sich in der Realität als falsch erwiesen haben, gleichwohl aber weiter überzeugend vorgetragen werden:

– Männer und Frauen sind gleich

– Es gibt keine Unterschiede in den Genen, alles ist eine Frage der Erziehung

– Die Rechte der Frauen gehen einher mit der Entrechtung der Männer,
populär ausgedrückt: Männer sind Schweine.

Wer gegen diese „Grundüberzeugungen“ an argumentieren will, hat es schwer. Aber ich versuche es trotzdem.

Zuerst das Argument der Gleichheit der Geschlechter: Im juristischen Sinne, und nur so meint es das Grundgesetz, besteht an dieser Aussage kein Zweifel. Menschlich jedoch, und da besteht die Problematik dieser Formulierung, da hier selten sauber getrennt wird, ist es nachweislich nicht so. Männer und Frauen haben unterschiedliche Anlagen und gehen daher auch unterschiedliche mit gleichen Sachverhalten um. Wirtschaftsunternehmen machen sich diese mittlerweile in der Gesellschaft angekommene Erkenntnis zu Eigen, in dem sie gezielt gemischtgeschlechtliche Teams zusammenstellen, um Probleme zu analysieren und Lösungen zu erarbeiten. Es war zwar schon in der Steinzeit üblich, so an Probleme heran zu gehen, aber im Zuge der Evolution ist offenbar nicht nur der Hang zum Nomadendasein verloren gegangen.

Die Frage, ob Einflüsse der Gene oder der Erziehung das Grundgerüst des Menschen ausmachen, ist eine der schwierigsten, basieren die Überzeugungen doch weniger auf Wissen denn auf Glauben. Gleichwohl steigt auch hier durch ständiges Beobachten, Experimentieren und Auswerten der Erkenntnisgewinn und läßt den Eindruck aufkommen, daß es, wie so oft, eine Mischung aus beidem ist. Der Mann, der jeden Sonnabend ins Stadion rennt und auf dem Weg dorthin Befriedigung empfindet, wenn er an der Ampel erster ist und Sonntags den Abwasch macht, die Kinder ins Bett bringt und vorher die Windeln wechselt, ist einerseits ein Gengesteuerter (Vergleichswettkämpfe sind ureigenes Männlichkeitsritual) und andererseits entweder ein Einsichtiger oder ein Nachmacher, weil auch schon sein Vater Windeln gewechselt, Geschirr abgewaschen und ihn ins Bett gebracht hat, ohne sich einen Zacken aus der Machokrone zu brechen und der Sohnemann durch Vormachen gelernt hat, daß es nicht unmännlich ist, sein kleines Geschäft im Sitzen zu erledigen. Unbefriedigend für Dogmatiker aber beruhigend für Erkenntnistheoretiker. Und wertvoll für Praktiker

Die dritte Überzeugung ist so menschlich, daß ich sie hier nicht weiter betrachten möchte, da man sie einerseits einfach aushalten muß wie die Fliege im Zimmer und andererseits die Gewissheit besteht, daß auch die größten Wirrköpfe eines Tages entweder zur Einsicht gelangen oder vorher den Weg allen Irdischen einschlagen.

Zurück zur Thematik gleich und ungleich. Jungen benötigen Männer, an denen sie sehen können, wie sich Männer verhalten. Männer, die es ihnen zeigen wollen. Männer, die nicht die besseren Frauen sein wollen aber die auch nicht den Supermacho geben müssen. Männer in jeder Lebenslage. Im Kindergarten, in der Schule, in der Ausbildung. Männer, die nicht mit Blödsinnsprüchen wie: Männer weinen nicht agieren sondern die auch mal eine Schulter bieten, wenn der Schmerz nur mit herzzerreißendem Heulen zu ertragen ist. Jungen brauchen Vorbilder. Da sind sie gleich wie Mädchen. Aber Jungen brauchen in erster Linie männliche Vorbilder, und da sind sie ungleich zu Mädchen. Selbstverständlich benötigen Jungen auch selbstbewußte Mütter als Vorbilder und umgekehrt. Aber die Abwesenheit der Männer ist das eigentliche Problem der kleinen Jungen. Und da sind wir Männer gefragt, nicht die Frauen. Frauen können das einfach nicht kompensieren. So wie wir Männer keine Kinder gebären und für unsere Töchter nur begrenzt als Vorbilder dienen können.

„Neue Männer braucht das Land“ sang Ina Deter in der Hochphase der Frauenbewegung. Ich denke, es wäre gut, wenn die „alten“ erst einmal wieder aus der Versenkung hervor kämen. Ob es dann neuer bedarf, wird sich zeigen.

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