Unsere Mütter – unsere Väter

68 Jahre nach Ende des Krieges wird endlich das Schweigen gebrochen. Mindestens 65 Jahre zu spät für die Nachgeborenen und die Kinder des Krieges.

Bis heute wirkt das unselige Schweigen der Generation derer, die Hitler gewählt haben, die die 12 Jahre Nazizeit als große Zeit empfunden haben, nach. Wirkt nach, weil diese Täter und Mitläufer ihre Traumata an ihren Kindern mit Psychoterror, Prügel und sonstiger Mißachtung ausgelassen haben.

Die Generation meiner Eltern und Großeltern hat jede Thematisierung der Nazizeit immer als Kritik empfunden. Selbst Fragen wurden im günstigsten Fall mit Schweigen, im Normalfall mit Beschimpfungen beantwortet worden.

Den 8. Mai 1945 hat diese Generation immer als Tag der Niederlage empfunden. Als Richard. v. Weizsäcker von Befreiung sprach, wurde er selbst in den 1980er Jahren noch von dieser Generation mit Wut und Aggression bedacht. Niemand hat begriffen oder begreifen wollen, dass es uns Kindern nicht um Schuldzuweisung sondern um Verstehen ging. Der Satz: Ich war nicht mutig genug, dagegen zu sein, hätte schon gereicht. So aber ist zwischen dieser sprachlosen und traumatisierten Generation und ihren Kindern eine Distanz entstanden, die bis heute nachwirkt. Und die uns Kindern der Kriegsgeneration immer noch in den Kleidern steckt. Ob wir wollen, oder nicht. Uns bleibt der Kampf, sich daraus zu befreien. Und die bange Frage, ob der Opa oder Vater vielleicht ein Verbrecher war.

Gerade deshalb ist es eine Tragik, daß dieses Schweigen erst jetzt gebrochen wird.

Gleichwohl senden wir heute wieder und wieder Soldaten in die Welt, die ständig Gefahr laufen, auch dieser Entmenschlichungsmaschinerie anheim zu fallen. Warum nur steht niemand auf und opponiert dagegen. Hundert-, tausend- und millionenfach.

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Ein Kommentar zu Unsere Mütter – unsere Väter

  1. Matthias Hennies sagt:

    Hallo Andreas,
    In meinem Freundeskreis haben wir immer und immer wieder über die (Nicht-)Reaktionen der älteren Generation diskutiert – Fragen, die Du ansprichst, aufgegriffen. Das Schweigen ist fatal, aber auch begreiflich, denn die Selbsterforschung unserer Mütter und Väter wäre ja an die Substanz gegangen – wer kann das schon.
    Vielleicht sollten wir mal anfangen, unsere Familiengeschichten zu sammeln: Die Reaktionen auf unsere Fragen nach der Ns-Vergangenheit und das wenige, was Väter und Großväter erzählt haben.
    Schöne Grüße von Matthias.

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