Krieg im Namen des Volkes ?

43 junge deutsche Menschen mußten bisher in Afghanistan ihr Leben lassen. Viele andere in anderen Konfliktregionen, in denen die Bundesrepublik Deutschland mit Truppen präsent ist.

Andere, die aus diesen Einsätzen, die man offiziell immer noch nicht Krieg nennen darf, zurückkommen, sind körperlich unversehrt, ihre Seelen jedoch haben in einem Maße gelitten, wie sich Unbeteiligte das nur schwer vorstellen können. Ihre Zahl ist ungleich höher als die 43, deren Leben beendet ist.

Liest man die Geschichten derer, dessen Leben aus dem Tritt gekommen ist, bekommt man einen Einblick in die Situationen, denen diese Menschen kurzzeitig ausgesetzt waren und Gelegenheit, mit den Betroffenen mitleiden zu können. Zumindest für die Zeit der Lektüre.

Eine unselige Gemeinsamkeit wohnt all diesen Berichten inne, irgendwo im Text ist der Vorwurf enthalten, es fehle den Heimkehrern die Unterstützung „aus dem Volk“, der Rückhalt für den militärischen Einsatz, verbunden mit dem Hinweis, die Soldaten seien schließlich vom Parlament und damit mittelbar vom Volk in diesen Einsatz gesendet worden.

Ist das wirklich so ?

Ich mag mich dieser zynischen Betrachtungsweise nicht anschließen. Die Kriegseinsätze der Bundeswehr, in die das Parlament sie in seltener Eintracht und ohne unmittelbare Not entsendet hat, sind nicht von der breiten Mehrheit des Volkes getragen. Im Gegenteil. Von Beginn der sogenannten Auslandseinsätze an fand sich nie eine demoskopisch meßbare Mehrheit für diese Einsätze. Seit Afghanistan hat sich der Anteil derer, die diese Einsätze ablehnen, kontinuierlich erhöht.

Aus den Wahlergebnissen für die Parteien, deren Fraktionen im Bundestag diesen Einsätzen zugestimmt haben, eine Zustimmung zum Krieg abzuleiten, ist nicht naiv, sondern böswillig und zynisch. Leider ist es die Crux, daß ausgerechnet die einzige Partei, die Auslandseinsätze ablehnt, ein gestörtes Verhältnis zur diktatorischen Vergangenheit eines Teils dieses Landes hat und als Wahlalternative ausfällt.

Unselig auch ein anderer verbrämter Vorwurf vieler Chronisten: In Deutschland sei niemand vorbereitet auf Kriegstote und auf Heimkehrer mit körperlichen und seelischen Verwundungen. Die eigentliche Aussage ist nicht unrichtig, tatsächlich ist darauf niemand vorbereitet. Aber ist es eine wünschenswerte Grundhaltung eines Volkes, ständig auf Kriege und deren Folgen vorbereitet zu sein ? Welche Geisteshaltung wird dadurch erzeugt ? Wird Krieg dadurch nicht wieder zum legitimen Fortsetzungsversuch der Politik, wenn nicht-kriegerische Mittel nicht zum gewünschten Ergebnis führen ?

Wer nicht in den Krieg zieht, braucht auch nicht auf die Folgen vorbereitet sein. Wer alles dafür tut, daß man nicht in den Krieg ziehen muß, ebenfalls nicht. So einfach kann die Welt mitunter sein.

Nein. Ich will diese Kriege nicht. Ich will nicht, daß junge Männer und Frauen sterben oder als seelisch Versehrte ihr Leben fristen müssen. Nein. Ich will nicht, daß in Deutschland wieder patriotische Veranstaltungen zur Unterstützung unserer kriegführenden Armee abgehalten werden. Nein ! Ich lasse mich nicht dafür verantwortlich machen, daß jungen Soldaten eingeredet wird, ihr Problem sei der mangelnde Rückhalt der Bevölkerung und es würde ihnen besser gehen, wenn nur alle ihnen zujubeln würden. Die Verantwortung für diese Folgen liegt einzig und allein bei denen, die diese Entscheidung treffen. Die kann ihnen niemand abnehmen, auch wenn sie nichts unversucht lassen, das Volk das glauben zu machen.

Aus dem Ausland kam anläßlich des ersten Golfkrieges der Vorwurf, Deutschland müsse endlich seine pazifistische Grundhaltung aufgeben. Nach zwei verantworteten Weltkriegen mit mehr als 50 Millionen Opfern allerdings begründet eine pazifistische Grundhaltung keinen Vorwurf sondern gereicht zur Ehre.

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