Welt-Doping-Festspiele

Monatelang wurde gerungen, gelogen, gedopt und betrogen. Am Ende haben sich dann doch alle wieder lieb und treffen sich in der aktuellen Olympia-Hauptstadt und testen aus, wer die Dopingtester am effektivsten hinters Licht führen kann und wer dafür mit dem begehrten Edelmetall ausgezeichnet wird.
Im Hintergrund lächeln die Herren der Ringe alle Zweifel am zweifelhaften Treiben weg und tun das, was sie seit jeher am besten können, sie kassieren. Offiziell und inoffiziell, legal und illegal. Aber immer zum persönlichen Vorteil.

Dieses System könnte dem normalen Bürger relativ egal sein, wenn die dahinterstehende Logik nicht unser aller Alltag bestimmen würde.
Sponsoren schlagen ihre Gebühren, die sie für die telegene Vermarktung ihrer Produkte im Sportumfeld zahlen müssen, auf die Endverbraucherpreise auf.
Die exorbitanten TV-Gelder, die für die Übertragung in unser aller Wohnzimmer fällig werden, sind Teil der Zwangsgebühren, die der Bürger auch zahlen muß, wenn ihm dieser ganze Zirkus am Allerwertesten vorbeigeht.

Man könnte auch das sogar noch verschmerzen, da durch einen evtl. Wegfall von Olympia weder die TV-Gebühren noch die Verbraucherpreise sinken würden.

Das eigentliche Problem hinter Olympia und den damit verbundenen Strukturen aber ist das Vorbild, daß Kindern und Jugendlichen damit vermittelt wird:

  • Nur Sieger zählen
  • Nur Sieger verdienen Geld
  • Leistung allein lohnt sich nicht
  • Ohne Betrug wird man kein Sieger
  • Wer sich diesem System nicht unterwirft, wird immer Verlierer sein
  • Wer Verlierer ist, ist nichts wert

Sport um des Sportes Willen, zum Erkennen seiner persönlichen Grenzen, dem Erkennen, daß man mit Willen und Training diese Grenzen verändern kann und daß man auch scheitern kann, ohne ein Verlierer zu sein, all diese Erkenntnisse werden verhindert durch die Perversion des olympischen Gedankens und durch das olympische System der Neuzeit, das alle je vorhandenen Ideale verraten und dem Gewinnstreben geopfert hat.

Dabei muß jedem klar sein: Wer bei diesem System mitmacht, sei es, indem er die Einschaltquoten nach oben treibt, indem er die Mittel, mit denen diese „Leistungen“ zustande kommen, ignoriert oder verleugnet, indem er sich oder seine Kinder diesem auf Sieg fixierten Leistungsgedanken unterordnet, indem er gar das systematische Lügen und Betrügen der Athleten und Funktionäre gutheißt oder gar deckt, der ist Teil dieses betrügerischen und verkommenen Systems. Ohne Wenn und Aber.
Und sollte sich folgerichtig nie wieder darüber beklagen, daß unsere Gesellschaft aus lauter Egoisten besteht und niemand mehr einen Gedanken an den Anderen verschwendet.

Noch ein letzter Gedanke: Fast alle Veranstalter der Welt-Doping-Festspiele tragen noch Jahrzehnte an den Schuldenlasten (Montreal, Athen und Sydney seien exemplarisch genannt), die Anlagen werden selten, wie in München, weiterhin genutzt und verfallen. Der Durchzug der IOC-Truppe gleicht in vielen Fällen einem Hurrikan, der Schulden und zerstörte Landschaften hinterläßt.
Ich bin den Hamburgern auf ewig dankbar, daß sie sich in der Mehrheit diesem Unsinn verweigert haben. Die Münchner und Berchtesgadener waren ähnlich weitsichtig.

Wohl denen, die man wenigstens vorher fragt.

Abschließend noch ein Link auf einen völlig anderen Aspekt, der in der Konsequenz in die gleiche Richtung führt: Michael Schulte-Markwort – Wir sollten uns von Olympia verabschieden

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2 Kommentare zu Welt-Doping-Festspiele

  1. Uli K. sagt:

    Zur Zeit wird der Gedanke diskutiert, dass sich Düsseldorf für die Ausrichtung der Spiele 2028 bewerben solle. NRW wird heute 70 Jahre alt. Vielleicht ist dieser abstruse Gedanke genau jenem Umstand geschuldet.

    Ich hoffe, dass es frühzeitig massive Interventionen des Steuerzahlers geben wird, denn die jetzt hochgelobten und in der Tat vorhandenen Sportstätten werden dann ein Alter aufweisen, der Neubauten unumgänglich macht. Auch die Infrastruktur wird bis dahin nicht im mindesten den Ansprüchen genügen. Kosten, die anderweitig sinnvoller verwendet werden können als für die Weltdopingspiele.

  2. Martin K. sagt:

    Ich weiß, dass es nicht realistisch ist und sich wahrscheinlich einige Despoten sehr dagegen sträuben würden. Das ganze Thema wäre sofort aus der Welt, wenn man folgendes machen würde: Sommerolympiade ausschließlich noch nach Athen vergeben und die Winterolympiade – als Hommage an den Initiator der Wiederbelegung der olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, nach Frankreich – meinetwegen nach Grenoble. Die Kosten bzw. Erlöse werden von der Weltgemeinschaft getragen bzw. kommen der Weltgemeinschaft zugute. Die Sportstätten würden stets immer wieder benutzt werden und es gäbe überhaupt keinen Anreiz für Despoten sich an den Spielen zu bewerben. Ich kann mich noch an die Gaudi erinnern, als das Pokalfinale immer in einer andere Stadt stattfand. Seit das „deutsche Wembley“ in Berlin stattfindet „is a Ruah“ damit. LG Martin

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