Fette Ratten

Da hält ein Mensch in Dresden im Jahre 2017 eine Rede, die von Glanz, Stil und Inhalt ungefähr der entsprechen könnte, die der Ortsgruppenleiter der NSDAP Hückeswagen 1929 gehalten haben könnte. Ähnliche Attitüde, ähnliche Geisteshaltung, ähnlich verschwurbelte Rhetorik.

Das allein ist schon ein starkes Stück. Weitaus bedenklicher dagegen ist die Tatsache, daß die Anwesenden nicht etwas gelangweilt oder angewidert den Saal verlassen haben, sondern die „Rede“ jubelnd begleiten und anschließend in rhythmischen Sprechchören den Namen des Redners skandieren.

Da drängt sich mir erneut die Frage auf: An welcher Stelle ist unsere Demokratie falsch abgebogen, daß sich diese rechten Hetzer plötzlich wieder ans Tageslicht wagen? Daß sie nie weg waren bzw. immer da waren, hat zwar mancher verdrängt, hätte aber bei näherer Betrachtung nicht überraschen dürfen.

Daß sie aber glauben, ihre absurden Weltbilder seien wieder mehrheitsfähig, das ist ganz allein die Verantwortung derer, die sie zu lange haben machen lassen und die in arroganter Attitüde jedem Menschen die Diskussion verweigerten, der angesichts der aktuellen Beschwernisse in Gefahr geriet, gedanklich eher den einfachen Lösungen den Vorzug zu geben statt sich den hilfreichen aber in der Regel mühevolleren zuzuwenden.

Tragen wir also diese Verantwortung und diskutieren wir mit denen, die Lösungen für ihre Probleme erwarten und versuchen wir, sie zu überzeugen, daß einfache „Lösungen“ zum Einen selten echte Lösungen sind und zum Anderen mit diesen einfachen Lösungen ein Verlust der humanen Orientierung verbunden ist, den wir uns speziell in diesem Land nicht leisten und den wir vor allem nicht dulden wollen. Überlassen wir sie nicht den fetten rechten Ratten, die ihnen diese einfachen Lösungen schmackhaft machen möchten. Den Fehler sollten wir nicht ein zweites Mal machen.

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3 Kommentare zu Fette Ratten

  1. Peter K. sagt:

    Lieber Andreas,
    Du sprichst mir aus der Seele (sofern es eine gibt).
    Ich frage mich, wo bleibt der Aufschrei der „Linken“?
    Was hätten wir alles mit einer zwar kleinen,,aber dafür ehrlichen WASG bewegen können!
    Aber vieleicht Träume ich auch nur einer schönen Fatamorgana hinterher.
    Frage:,Wie kommen wir zu einem Kreis von „Diskutanten“ und wie kommen diese dann in die Öffentlichkeit?

  2. AK sagt:

    Ich denke, es ist weniger eine Frage von gleichgesinnten Diskutanten, als vielmehr der Auftrag an jeden Einzelnen, in seinem Umfeld das Gespräch zu suchen mit denen, die sagen, die AfD wird den Etablierten schon Beine machen oder denjenigen, die Angst haben vor was auch immer, aber trotzdem noch Argumenten zugänglich sind.

    Wenn diese sich von der AfD abwenden, beleibt letzendlich nur der kleine Rest unbelehbarer Nazis zurück, die diesem Land bisher noch nie substanziell gefährlich werden konnten.
    Die zu bekämpfen, ist dann eher Aufgabe von Polizei und Vefassungsschutz.

  3. Uli K. sagt:

    Gut geschrieben, Andreas. Und ja, wir dürfen nicht müde werden, die Lügen und die gedanklichen Fehler dieser rechten Hetzer wie desjenigen, auf den du Bezug nimmst, aufzuzeigen, zu entlarven und die Nähe zum NS aufzuzeigen.

    Wo unsere Demokratie falsch abgebogen ist, vermag ich nicht zu sagen. Ich kann mich erinnern, dass meine Generation – ich bin Baujahr 1957 – die letzten Jahre der schulischen Laufbahn bis zum Abitur die 1000 Jahre deutscher Geschichte zwischen 1933 und 1945 aus allen möglichen Blickwinkeln beleuchtet und besprochen hatte. Und wir sind einstimmig zum Entschluss gekommen, dass sich diese düstere Zeit in der Geschichte gerade Deutschlands nie wiederholen darf.

    Vielleicht liegt es am Aussterben der Generation, die diese Zeit und ihre Folgen noch am eigenen Leib miterlebt haben, dass es wieder zunehmend salonfähig wird, rechtspopulistischem Gedankengut nachzuhängen. Vielleicht geht es den Bürgern dieses Landes zu weiten Teilen auch einfach zu gut, weil selbst der Mangel nicht die Ausmaße erreicht, die damals den Nationalsozialisten den Weg bereitet hat.

    Ein kürzlich gesendeter Fernsehbericht in der Sendung „Panorama“ am 12.01.2017 zu Hassloch, dem durchschnittlichsten Ort Deutschlands, zeigte in erschreckender Weise, wie substanzlos die Ängste der AfD-Anhänger und -Wähler sind. Konkrete Lösungsvorschläge, was denn die Politik ändern solle, endeten in Sprachlosigkeit oder Gestammel über fehlende Parkbänke im Dorf.

    Daher bleibt nur, im Kleinen in seinem Umfeld zu diskutieren und aufzuzeigen, wie falsch diese ach so „einfachen Lösungen“ sind und wie weit wir uns von der Mitmenschlichkeit in diesem Land mit solchem Gedankengut entfernen.

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