Ein neuer Bundespräsident ?

Es gibt Nationen, die wählen sich einen ehemaligen Widerstandskämpfer, der für seine Überzeugungen lange im Gefängnis gesessen hat, einen ehemaligen Gewerkschaftsführer, der die Freiheit auch unter Einsatz seines Lebens zu erreichen versuchte oder einen Schriftsteller, der sich das Wort auch in der Diktatur nicht verbieten ließ zu ihren Präsidenten. Menschen, die Charisma besitzen, Überzeugungen und die international allein durch ihre jeweilige Vita Respekt und Anerkennung erlangen.

Zu diesen Nationen gehört Deutschland wahrlich nicht. Der letzte deutsche Präsident, der keine parteipolitische Vergangenheit hatte, hieß Paul von Hindenburg und war bekanntermaßen nicht der ganz große Wurf in der deutschen Geschichte.

Alle Nachfolger dagegen sind in mehr oder weniger einträchtiger Klüngelei von den politischen Kleingeistern der jeweiligen Regierung bestimmt und dann auch gewählt worden. Das dabei so respektabele Männer wie Gustav Heinemann oder Richard von Weizsäcker, bei dem sich allerdings die Geister durchaus scheiden, das Amt bekamen, ist wohl eher Zufall denn Regel.

Nun also, nach dem beim Volk überaus beliebten und für den Politikbetrieb manchmal unbequemen aber leider zu eitelen und dünnhäutigen Horst Köhler, dessen Rücktritt doch arg theatralisch ausfiel, wieder einen berechenbaren Politikverwalter, von dem die Tagespolitik wohl keinerlei rethorische Großtaten oder gar richtungsweisende Visionen erwarten darf. Und so soll es wohl auch sein. Christian Wulff wird sich einreihen in die farblosen Gestalten wie Lübke, Carstens, Scheel oder Herzog, deren Verdienste höchstens mit dem Ruck auf dem gelben Wagen in Erinnerung bleiben werden.

Auch das sagt viel über eine Nation aus, die nicht den Mut hat und hatte, sich für das Recht, den Präsidenten vom Volk zu wählen, einzusetzen und dann Menschen wie Kurt Schumacher, Luise Rinser, Uta Ranke-Heinemann, Heinrich Böll (den man leider gar nicht erst gefragt hat) oder jetzt eben Joachim Gauck in das höchste Staatsamt zu wählen. Das Recht, den Präsidenten direkt zu wählen, wird sich das Volk nehmen müssen. Freiwillig geben werden es uns die Repräsentanten dieses Staates garantiert nicht.

Bleibt die Frage, wer sich dafür stark machen will und kann und wer in der Lage ist, genug Menschen zu mobilisieren. Der Wunsch danach ist im Volk latent vorhanden. Nur fehlt bisher der zündende Funke, der den resignierten Wunsch zur optimistischen Tat gerinnen läßt.

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