Das Leben ist lebensgefährlich

…oder warum wird der Alltag skandalisiert?

Da ist einer im Naturfreibad ertrunken.
Geforderte Maßnahmen:
– Sperrung des Freibades
– Auffüllen mit Sand (weil bis zu 8m tief)
– Erschießung des Bademeisters
– Lebenslange Haft für die genehmigenden Behördenmitarbeiter
– Gesetzesinitiative zur Aufnahme des Ertrinkungsverbotes in das StGB
Kommentare:
– Hängt alle Beteiligten auf – Ertrinken sollte verboten werden.

Ein Radfahrer stirbt nach Kollision mit anderem Radfahrer auf dem Radweg.
Geforderte Maßnahmen:
– Vollschutzrüstung für Radfahrer
– Verbot für Radfahrer, den Radweg zu benutzen (Auf die Straße)
– Erschießung des überlebenden Radfahrers
– Zwangsarbeit für die Politiker, die den Radweg zu schmal geplant haben
– Tempo 30 in der ganzen Stadt
Kommentare:
– Hängt alle Beteiligten auf – Radunfälle sollten verboten werden.

In einem ganz anderen Land:
Ein Surfer ist von einem Hai angefallen worden (der 8. im laufenden Jahr) und stirbt.
Geforderte Maßnahmen:
– Keine
Kommentare:
– Shit happens

Ein Ehepaar ist mit einer Panne in der Einöde liegengeblieben. Die Frau wollte Hilfe holen.
Der Mann blieb beim Auto. Man fand sie nach drei Tagen. Die Frau war tot, der Mann überlebte mit Mühe.
Geforderte Maßnahmen:
– Keine
Kommentare:
– So etwas macht man ja auch nicht. Shit happens.

Warum bloß werden bei jeder Gelegenheit die ganz großen Windmaschinen angeworfen ?

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2 Kommentare zu Das Leben ist lebensgefährlich

  1. Markus sagt:

    Ich denke, weil unsere Medienkultur eine andere ist. Und die Medien, die halbwegs ernstzunehmen sind (es gibt nur sehr wenige!) werden keine marktschreierischen Forderungen stellen, wie oben genannt. Ausserdem leben wir in einer Gesellschaft, die alle Gefahren aussperren oder zumindest verdrängen möchte (ausser auf den Autobahnen, hier darf nämlich jeder halbwegs Zurechnungsfähige das Leben ganzer Urlauberfamilien bewusst gefährden, ohne dass es jemanden zum Handeln bewegt). In anderen Ländern gibt es noch Natur, die Gefahren birgt und auch als solche wahrgenommen wird. Bei uns ist ein Wald nur noch dann gefählich, wenn sich darin ein exhibitionistischer Kinderschänder verbigt. Also besser weg mit dem Wald!

  2. Markus Studer sagt:

    Die einen haben Kultur, den Andern sprechen sie die Selbige ab.
    Die einen polarisieren, die andern sehen die Welt nur um sich selber drehen.
    In einem Land, wo weder Freibadende noch Fahrradfahrer in nennenswerter Anzahl unterwegs sind ist es halt auch kein Thema wenn mal ein Sack Reis umfällt.. oder wie gieng das nochmal?? Die Solidarität hat eben ein Ende wenn man sich unnötigerweise den Haien als Snack anbietet oder aus eigenem Wunsch in die Einöde fährt. Gemäss Risikomanagement haben die beiden alles richtig gemacht und nur 50% Verlust erlitten.
    Das Recht auf Information. Ein hohes Gut, es muss bewahrt werden.
    Die Leser haben das Anrecht alles zu erfahren. Die Ausrede für schlechten Journalismus. Sind wir ehrlich, wieviel in der Tagespresse interessiert uns eigentlich wirklich. Nur muss man eben die ganze Zeitung lesen um am Schluss sagen zu können was mich jetzt wirklich interessiert hat. Boulevard ist wie Discount, man wird damit eingedeckt ohne eine dass die Alternative eine Chance hat. Dass man dann auch noch realitätsfremde Figuren wie die Katze entwickelt und diese uns als echt unterjubeln will ist schon allerhand und lässt auch weniger Platz für Seriöses. Apropos, was macht eigentlich Paris?

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