Welt-Doping-Festspiele

Monatelang wurde gerungen, gelogen, gedopt und betrogen. Am Ende haben sich dann doch alle wieder lieb und treffen sich in der aktuellen Olympia-Hauptstadt und testen aus, wer die Dopingtester am effektivsten hinters Licht führen kann und wer dafür mit dem begehrten Edelmetall ausgezeichnet wird.
Im Hintergrund lächeln die Herren der Ringe alle Zweifel am zweifelhaften Treiben weg und tun das, was sie seit jeher am besten können, sie kassieren. Offiziell und inoffiziell, legal und illegal. Aber immer zum persönlichen Vorteil.

Dieses System könnte dem normalen Bürger relativ egal sein, wenn die dahinterstehende Logik nicht unser aller Alltag bestimmen würde.
Sponsoren schlagen ihre Gebühren, die sie für die telegene Vermarktung ihrer Produkte im Sportumfeld zahlen müssen, auf die Endverbraucherpreise auf.
Die exorbitanten TV-Gelder, die für die Übertragung in unser aller Wohnzimmer fällig werden, sind Teil der Zwangsgebühren, die der Bürger auch zahlen muß, wenn ihm dieser ganze Zirkus am Allerwertesten vorbeigeht.

Man könnte auch das sogar noch verschmerzen, da durch einen evtl. Wegfall von Olympia weder die TV-Gebühren noch die Verbraucherpreise sinken würden.

Das eigentliche Problem hinter Olympia und den damit verbundenen Strukturen aber ist das Vorbild, daß Kindern und Jugendlichen damit vermittelt wird:

  • Nur Sieger zählen
  • Nur Sieger verdienen Geld
  • Leistung allein lohnt sich nicht
  • Ohne Betrug wird man kein Sieger
  • Wer sich diesem System nicht unterwirft, wird immer Verlierer sein
  • Wer Verlierer ist, ist nichts wert

Sport um des Sportes Willen, zum Erkennen seiner persönlichen Grenzen, dem Erkennen, daß man mit Willen und Training diese Grenzen verändern kann und daß man auch scheitern kann, ohne ein Verlierer zu sein, all diese Erkenntnisse werden verhindert durch die Perversion des olympischen Gedankens und durch das olympische System der Neuzeit, das alle je vorhandenen Ideale verraten und dem Gewinnstreben geopfert hat.

Dabei muß jedem klar sein: Wer bei diesem System mitmacht, sei es, indem er die Einschaltquoten nach oben treibt, indem er die Mittel, mit denen diese „Leistungen“ zustande kommen, ignoriert oder verleugnet, indem er sich oder seine Kinder diesem auf Sieg fixierten Leistungsgedanken unterordnet, indem er gar das systematische Lügen und Betrügen der Athleten und Funktionäre gutheißt oder gar deckt, der ist Teil dieses betrügerischen und verkommenen Systems. Ohne Wenn und Aber.
Und sollte sich folgerichtig nie wieder darüber beklagen, daß unsere Gesellschaft aus lauter Egoisten besteht und niemand mehr einen Gedanken an den Anderen verschwendet.

Noch ein letzter Gedanke: Fast alle Veranstalter der Welt-Doping-Festspiele tragen noch Jahrzehnte an den Schuldenlasten (Montreal, Athen und Sydney seien exemplarisch genannt), die Anlagen werden selten, wie in München, weiterhin genutzt und verfallen. Der Durchzug der IOC-Truppe gleicht in vielen Fällen einem Hurrikan, der Schulden und zerstörte Landschaften hinterläßt.
Ich bin den Hamburgern auf ewig dankbar, daß sie sich in der Mehrheit diesem Unsinn verweigert haben. Die Münchner und Berchtesgadener waren ähnlich weitsichtig.

Wohl denen, die man wenigstens vorher fragt.

Abschließend noch ein Link auf einen völlig anderen Aspekt, der in der Konsequenz in die gleiche Richtung führt: Michael Schulte-Markwort – Wir sollten uns von Olympia verabschieden

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

Viel Wind !

Nachricht 1:
Am örtlichen Schießstand des Schützenvereins Bramfelder SV fielen am 22.07.2016 gegen 19:00h hunderte Schüsse.

Nachricht 2:
In Hamburg sterben am 22.07.2016 mehrere Menschen infolge fehlerhaften oder vorsätzlichen Verhaltens von Verkehrsteilnehmern, Alten-und Krankenpflegern und Ärzten.

Die Tagesschau berichtet am 22.07.2016 zu Beginn völlig konfus, daß es aus München eigentlich nichts zu berichten gibt.
Daß gleichzeitig mehrere Menschen durch alltäglichen Pfusch, Vorsatz oder Fahrlässigkeit durch verschiedene z.T. als ehrbar eingestufte Menschen ums Leben kommen und bundesweit an mehreren Stellen Schüsse fallen, ist dagegen keine Nachricht wert.

Selbst die Tatsache, daß pro Jahr ca. 4.500 Menschen direkt an oder in Folge der mangelnden Hygiene in deutschen Krankenhäusern an multirtesitenten Erregern (MRE) sterben, läßt Politik und Presse fast völlig kalt.

Offenbar jieperten aber schon einige Politiker und Journalisten danach, daß wir in Deutschland auch „endlich“ einen „richtigen“ Anschlag von Terroristen zu vermelden haben (Der Axtschwinger von Würzburg ist ja gegen die Aktionen in Paris nur ein kleiner Fisch). Bundesinnenminister Thomas „Die Misere“ hat sogar extra seinen Urlaub abgebrochen…

Es handelte sich bei dem Täter in München aber „leider“ nur um ein Amokläufer. Ohne Bezug zu einer irgendwie gearteten „Terrororganisation“. Und wieder nichts mit schwarzrotgold angestrahltem Eiffelturm, Tower-Bridge, Capitol, etc. …

Nicht, daß ich falsch verstanden werde, mir tun die Betroffenen von Herzen leid. Deren Leid wird aber nicht gelindert, wenn die Nachrichtenredaktionen und mit ihnen die „sozialen“ Medien hyperventilieren. Im Gegenteil.

Der AfD und ähnlich Gestrickten kommt dieser mediale Wind dagegen ganz recht. Siehste, werden sie sagen …

Nachtrag vom 25.07.2016: Der Eiffelturm wird in deutschen Farben angestrahlt. Na bitte …

Veröffentlicht unter Allgemeines, Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Rechts vor Links?

Parteien haben Etiketten. Manche davon gelten noch, manche sind sogar Markenkern, manche sind Schwindel und manche sind sogar Schwindel, obwohl sie Markenkern sein sollen.

Auf dem Etikett der AfD steht beispielsweise „Ausländer raus“. Auf dem Etikett der Linken z. B. steht „Bänker raus“ oder „Reiche enteignen“. Auf dem Etikett der SPD steht … aber lassen wir das, um die geht es hier nicht.

Es drängen sich Fragen auf.

  • Warum finden sich mehr Bürger unter dem Etikett „Ausländer raus“ zusammen, als unter dem Etikett „Reiche enteignen“?

  • Warum glauben diese Bürger, daß wo „Ausländer raus“ draufsteht, auch „Ausländer raus“ drin ist? Wo „sozial“ draufsteht, ist doch auch nicht „sozial“ drin. Und in der Packung mit dem Etikett „Reiche enteignen“ war auch nur „mit der SPD regieren“ drin.

  • Sind die Bürger trotz aller Erfahrungen für rechte Politikplattitüden immer noch empfänglicher, als für linke?

Es bleibt viel zu tun, um aus jahrhundertelang gegängelten Staats“kindern“ mündige Bürger zu machen. Also los, etablierte Parteien. Nicht greinen. An die Arbeit. Aber hurtig. Neue Politik braucht das Land. Nicht neuen Etikettenschwindel.

Und ihr Bürger ? Nicht brüllen und hinterherlaufen. Denken ! Und wenn es geht, selbst !

Veröffentlicht unter Deutschland, Gesellschaft, Politik | 1 Kommentar

Ja wo leben wir denn?

  • Große Gruppen von Migranten bedrängen Frauen in aller Öffentlichkeit in widerlichster Weise bis hin zu versuchter Vergewaltigung.

  • Rechtsextreme Bürger, die bisher nicht dadurch aufgefallen sind, daß ihnen die Rechte von Frauen besonders am Herzen liegen, formieren sich zu Bürgerwehren, um Frauen zu schützen.

  • Zwei arabische Migranten verprügeln und bestehlen einen jüdischen Deutschen, der als solcher klar erkennbar war und beschimpfen ihn besonders wegen seiner religiösen Orientierung.

  • Linke Politiker, die bisher besonders dadurch aufgefallen sind, daß sie Übergriffe auf jüdische Bürger, die in der Regel durch Neonazis verübt werden, mit aller gebotenen Vehemenz anprangern und sich zu Recht gegen solche Übergriffe positionieren, verhalten sich merkwürdig still.

  • Eine konservative Kanzlerin setzt geltendes Recht im Handstreich außer Kraft, hebt die Grenzen auf und gestattet es, daß eine große Anzahl von Migranten unregistriert ins Land gelangen, womit sie eine alte Forderung der Antifa (No borders, no nations) erfüllt.

  • Ein sozialdemokratischer Kanzlerkandidat fordert Grenzschließungen und Kontrollen, um ungehinderten Zuzug von Migranten zu stoppen und übt dabei unausgesprochen den Schulterschluß mit der CSU.

Die Lager an den politischen Rändern bezichtigen sich gegenseitig er verallgemeinernden Hetze.

  • Rechte nehmen einige kriminelle Migranten zum Anlaß, alle Migranten als potentielle Verbrecher zu verunglimpfen.
  • Linke nehmen rechtsextreme Scharfmacher zum Anlaß, alle Bürger, die sich angesichts der Flüchtlingssituation Gedanken und Sorgen machen, als Nazis zu verunglimpfen.

Was um alles in der Welt, hat uns geritten, zu glauben, wir lebten in einer gesicherten Demokratie und einer gefestigten Zivilisation, wenn die Ankunft von einer Million fremder Menschen uns derart aus der Bahn wirft, daß klares Denken und Argumentieren nicht mehr funktionieren? Selbst schreckliche Vorkommnisse wie in Köln werden umgehend parteipolitisch ausgeschlachtet, auch von gemäßigten politischen Gruppierungen wie FDP und CDU.

Allenthalben hört man Rechtfertigungen für den jeweils eigenen politischen Standpunkt.

Rechte verweisen auf Schlägereien im Flüchtlingscamps, auf Vorgänge wie in Köln oder Hamburg an Silvester 2015, auf „Ehrenmorde“ und Parallelgesellschaften, wenn sie nach Gründen für ihre kritische bzw. oftmals offen feindselige und immer kompromisslose Haltung gegenüber Migranten gefragt werden.

Linke verweisen auf die kaputte deutsche Kultur (Egoismus, Ausländerfeindlichkeit, immer noch vorhandener Antisemitismus, die jüngere deutsche Geschichte), wenn sie ihre Träume von multikulturellen Gesellschaften rechtfertigen und die unkontrollierte Einwanderung ebenso offen feindselig und ebenso kompromisslos verteidigen.

Beide Seiten treten dabei mit einer moralisierenden Attitüde auf, die nur schwer erträglich ist.
Die Rechten lassen dabei alte Herrenmenschenmentalität durchblicken, die in den allerseltensten Fällen auch nur im Ansatz gerechtfertigt ist; bei den Linken herrscht eine antideutsche Haltung vor, gepaart mit einer Idealisierung der Migranten, der diese selbst mit bestem Willen nicht entsprechen können.

Besonnene Stimmen gehen leider unter. Was könnten diese besonnen Stimmen gesagt haben?

  • Ja, die deutsche Kultur ist keine Blaupause für die Welt, insbesondere nicht die aktuell hier herrschende.
  • Ja, die gesellschaftlichen Grundkonsense, die hier Grundlage des Zusammenlebens sind, erodieren, wenn auch schleichend, aber sie tun es.
  • Ja, es gibt in Deutschland ein Vollzugsdefizit hinsichtlich von Gesetzen und Regelungen und es gibt ein Defizit an Einsicht in die Notwendigkeit disziplinierten Handelns.
  • Ja, es gibt in Deutschland ein Autoritätsproblem.
  • Ja, in Deutschland gibt es Dinge, für die es sich einzutreten lohnt. Eines davon ist die Verfassung, die uns weitgehendere Freiheiten gewährt, als in fast jedem andern europäischen Land.
  • Nein, diese Freiheiten sind nicht selbstverständlich. Die Bürger müssen Tag für Tag dafür werben und argumentieren.
  • Ja, es gibt gesellschaftliche Sozialisationen von Migranten, die mit der hiesigen inkompatibel sind.
  • Ja, Deutschland wird, so es denn bei den Nationalstaaten bleibt, auf Dauer nicht umhinkommen, Migranten abseits von humanitären Verpflichtungen aufzunehmen, um die überalternde Gesellschaft wieder zu verjüngen.
  • Ja, Deutschland hat nur eine gewisse Menge X zur allgemeinen Verteilung zur Verfügung. Dieser Menge X steht einer anderen Menge an Bewohnern, Y, gegenüber. Wenn konstant X durch ansteigend Y geteilt wird, wird Ergebnis Z weniger.
  • Ja, das macht vielen Menschen Angst.
  • Ja, Deutschland muß daher Migranten fragen, warum sie zu uns wollen und wie sie sich das Leben in Deutschland und den Umgang mit den oben genannten Freiheiten vorstellen, ganz besonders dann, wenn sie aus Kulturkreisen stammen, in denen diese Freiheiten nicht nur nicht selbstverständlich sind, sondern sogar abgelehnt werden.
  • Ja, wenn diese Fragen gestellt und gesellschaftlich akzeptiert beantwortet werden, erhöht sich bei der Menge Y die Bereitschaft, zunächst weniger Z zu akzeptieren, weil man die Bereitschaft erkennen kann, gemeinsam daran zu arbeiten, daß X und in der Folge auch Z wieder größer werden.

Es ist völlig unstreitig, daß die reale deutsche Kultur nicht frei von Unzulänglichkeiten und gerade in der augenblicklichen Verfassung weit davon entfernt ist, eine Leitkultur zu sein. In einigen Städten entstehen rechtsfreie Räume, der deutsche Standardbürger ist immer weniger bereit, Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen (wie man an dem tagelang herumliegenden Müll nach Silvester sehr gut ablesen kann, um nur ein Beispiel zu nennen), Steuergesetze werden von weiten Teilen der Bevölkerung als Drangsalierung oder wahlweise als Empfehlungsgrundlage mißverstanden, Ahndungen von Gesetzesverstößen werden als Eingriff in die persönliche Freiheit oder als Willkürmaßnahme empfunden.
Die bürgerliche Gesellschaft suhlt sich bislang in einer vermeintlichen Liberalität, die im Grunde nichts als Ignoranz und Gleichgültigkeit ist und in einen Egoismus gemündet hat, der die individuelle Verantwortung für das Gesamtgefüge vollständig ausblendet.

Aber jetzt, wo die Bürger teilweise am eigenen Leibe erleben, wie dünn die Decke der Zivilisation ist (die täglich millionenfach ins Internet gepusteten Haßbotschaften bisher unbescholtener Bürger sprechen eine deutliche Sprache), hat die Gesellschaft die Gelegenheit, sich selbstkritisch zu fragen, was zu tun ist, um diese Decke etwas dicker und vor allem reißfester zu machen.

Migranten, die wegen unserer Freiheiten hier und nirgendwo anders leben wollen, Bürger, die sich ernst genommen fühlen und Menschen, die selbstbewußt für diese Freiheiten eintreten und sie verteidigen, ohne dabei Maß und Ziel aus den Augen zu verlieren, wären die ideale Grundlage für diesen gesellschaftlichen Reifeprozess. Eine solche Bürgergesellschaft kann sich eine Meinungsbandbreite von rechtskonservativ bis linksliberal leisten. Die Marginalisierung linksextremer Antideutscher und rechtsextremer Rassisten ist dann ein zwangsläufiger und begrüßenswerter Nebeneffekt.

Bleiben nur:

  1. Die Frage: Wie können sich diese besonnen Stimmen Gehör verschaffen?
  2. Und die Antwort auf die Ausgangsfrage: In Europa. Anfang 2016.
Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

The Thin White Duke will sing nevermore

Eines der ersten Lieder, die ich Anfang der 70er auf Kasette aufgenommen habe, war „The Laughing Gnome“. Ich mochte diesen fröhlich vorgetragenen und ideenreichen Popsong. Und ich war elektrisiert von dieser klaren und akzentuierten Stimme, die mich bis heute fasziniert. Und dann „Heroes“, diese unglaubliche Hymne. Sie war mir, allen evtl. Klischeevorwürfen zum Trotz, der liebste seiner Hits.

Viele spätere seiner Lieder sagen und sagten mir nichts; irgendwann auf seiner langen Reise durch sein Musikuniversum hat er mich verloren. Gleichwohl habe ich immer wieder hingehört in der Hoffnung, etwas für mich zu entdecken. Das eine oder andere Stück ist stets dabei hängengeblieben. „Jump, they say“ ist z.B. so ein Fund. Diese ungeheure Wandlungsfähigkeit, dieses immer-aufgeschlossen-für-Neues-sein und die Experimentierfreudigkeit bis zuletzt sind einzigartig.

Ein Zitat aus der Rezension des Hamburger Abendblattes: Jagger, McCartney etc. pflegen vorzugsweise ihre Legende. Bowie dagegen entwickelt sich weiter und erfindet sich mit jedem Album neu.

Und jetzt plötzlich soll damit Schluß sein? Ich mag es nicht glauben. Ruhe in Frieden. Und grüß‘ Major Tom und all die anderen. Another Blues Singer back home …

Veröffentlicht unter Allgemeines | Hinterlasse einen Kommentar

Nolympia in Hamburg

Wenn ich heute in der Tagespresse lese, daß die größten Pusher der Olympiabewerbung sich als schlechte Verlierer gerieren und von „blamieren“, „enttäuscht von meiner Stadt“ und von „Angstmacher haben gewonnen“ reden, dann weiß ich, daß ich alles richtig gemacht habe.

Es ist jetzt nur noch eine Frage von Tagen, bis erneut der Volksentscheid in Frage gestellt wird. Wie immer, wenn „das Volk“ einfach anders abstimmt, als deren gewählte Vertreter. Solange aber die von Brecht angeregte Abwahl des Volkes durch die Regierung keinen Verfassungsrang hat, sollte den gewählten Volksvertretern der Ausgang der bisherigen hamburgweiten Referenden zu Denken geben. Einmal, als sie noch nicht dazu verpflichtet waren, haben sie sich nicht an das Votum des Volkes gehalten. Wie schief das ging und wie teuer das den Steuerzahler kam, ohne das der daraus einen Nutzen hatte, ist bekannt.

Wohlan. Gehen Sie die Probleme an Herr Bürgermeister. Geld ist offenbar vorhanden, geben Sie es aus für Dinge, die den Bürgern unmittelbar zugute kommen. Die vielen kleinen Sozialprojekte der Stadt, die ums Überleben kämpfen, werden es ihnen danken.

Veröffentlicht unter Hamburg | 1 Kommentar

Sicherheit? Oder doch lieber Freiheit?

Nach den Anschlägen von Paris werden die Rechte der Bürger sowohl in Frankreich als auch in Belgien massiv eingeschränkt. Und die Bürger der besagten Länder finden das völlig in Ordnung. Sie fordern das sogar ein. Nicht nur, daß diese Einschränkungen ohne Parlamentsbeschluß eingeführt werden können, nein, es kann sogar ein Minister im Alleingang beschließen, Rechte, für die in Revolutionen gestorben wurde, zur Disposition zu stellen.

Wie kann das sein, frage ich mich? Wie kann es sein, daß das Militär mit weitreichenden polizeilichen Befugnissen ausgestattet wird, obwohl es weder über eine entsprechende Ausbildung noch diesem Zweck dienliche Befehlsstrukturen verfügt? Wie kann es sein, daß für mehrere Monate der Ausnahmezustand verhängt wird, in dessen Folge die elementarsten Grundrechte wie Unverletzlichkeit der Wohnung oder Aufenthalts- und Versammlungsrecht quasi nicht mehr existent sind.

Ist das der Preis für Sicherheit? Eine Sicherheit, die nur zum Schein vorhanden ist und die vorgibt, mich davor zu schützen, von wahnsinnigen Terroristen in die Luft gesprengt zu werden, ohne diesem Anspruch je gerecht werden zu können? In einer Welt, in der das Risiko, von einem Auto überfahren zu werden, um ein Vielfaches höher ist, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen?

Es ist grausam, das zu formulieren, aber wir beginnen, Lebensrisiken zu negieren. Und Opfer eines Terroranschlages zu werden, ist in der modernen Welt nicht erst seit dem 11.09.2001 ein normales Lebensrisiko. Genauso, wie im Straßenverkehr zu Tode zu kommen. Wollen wir deshalb die Grundrechte zur Disposition stellen? Ich meine, Nein, Nein und nochmals Nein!

Den Franzosen, Amerikanern und Belgiern kann man zu Gute halten, daß ihnen, im Gegensatz zu uns Deutschen, die Erfahrung fehlt, was es bedeutet, wenn ein Staat sich die Rechte nimmt, zu tun und zu lassen, was er will und diese auf die abscheulichste Weise mißbraucht. Wir Deutschen sind in dieser Hinsicht wesentlich sensibler, daher sind solche Auswüchse, wie sie zurzeit in Frankreich und Belgien zu beobachten sind, glücklicherweise in Deutschland auch rechtlich in der Form nicht möglich. Ich bin ein wiederholtes Mal froh, in Rechtsbereich genau dieser Verfassung zu leben.

Es bleibt zu hoffen, daß Belgiern und Franzosen und auch den Amerikanern dieser deutsche Erfahrungsvorsprung erspart bleibt. Obwohl gerade Letztere stark gefährdet sind, diesen Vorsprung einzuholen.

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Politik, Welt | Hinterlasse einen Kommentar

Warum sind „wir“ nur Paris ?

Mehrere schreckliche Anschläge trafen die Hauptstadt der Franzosen. Viele Menschen verloren ihr Leben. Die Welt trauert. Zu Recht.

Aber mir stellen sich Fragen.

Warum trauerte die Welt nicht auch um die 40 Menschen in Beirut, die von den gleichen Verbrechern ermordet wurden?

Warum trauert die Welt nicht um die 224 Menschen, die in einem russischen Flugzeug mutmaßlich von den gleichen Verbrechern ermordet wurden?

Warum trauert die Welt nicht um die vielen Israelis, die von den gleichen Verbrechern seit Jahren ermordet werden ?

Warum erstrahlten die Bauwerke der Welt nicht in den libanesischen, russischen oder israelischen Farben?

Warum fanden sich vor den russischen, israelischen und libanesischen Botschaften keine Menschen mit Lichtern ein?

Zu weit weg? Zu wenig ähnlich zu „uns“? Zu fremd? Zu gleichgültig?

Warum gibt es diese Rangfolge der Trauer und Anteilnahme?

Oder ist es gar nur Inszenierung ?

Fragen, auf die ich keine plausible Antwort habe …

Veröffentlicht unter Gesellschaft | 3 Kommentare

Flüchtlingsfragen

Frau Merkel sagt: Wir schaffen das.

Bei allem Optimismus hinsichtlich der Fähigkeit, Flüchtlinge zu integrieren, bleibt jedoch etwas auf der Strecke. Die Frage, was dieses von der Bundeskanzlerin bemühte „Wir“ denn ausmacht? Viele Deutsche haben nach 1945 zu Recht die Nation, die soeben in den Abgrund marschiert war, grundsätzlich in Frage gestellt. Die Kriegsgegner haben durch Teilung und Annexion den Niedergang dieser Nation auch politisch manifestiert. Mit der 68er-Bewegung begann Deutschland sogar im Innern zu so etwas wie einem Schimpfwort zu werden.
Interessanterweise sah das Ausland die Deutschen stets anders, als sie sich selbst. Sowohl 1945 als auch 1989. Die Angst vor dem wiedervereinigten Deutschland waren wohl eher den individuellen Erfahrungen aus der jüngsten Vergangenheit einiger weniger verantwortlicher Politiker geschuldet. Zwar verständlich, aber unbegründet.
Es ist die Ironie der Geschichte, daß ausgerechnet eine Sportveranstaltung, die, ganz gönnerhafter Gastgeber, nicht einmal mit dem höchsten Erfolg gekrönt wurde, die Sicht der Deutschen auf sich selbst verändert hat. Das Ausland hat dazu noch erlebt, daß den Deutschen Nationalgefühl auch Spaß machen kann und nicht mit haßerfüllten Fratzen und dummen Parolen einhergehen muß.

Gleichwohl fehlt zu diesem „Wir“ sowohl ein intellektueller als auch ein emotionaler Hintergrund. Emotional beispielsweise, weil sich große Teile dieses „Wir“ nicht bewußt sind, welche zwar sehr komplizierte aber trotzdem schöne Sprache sie sprechen und sich deshalb nur zu gern und zu beliebig an einer fremden vergreifen, was dazu führt, daß eher darüber nachgedacht wird, Migranten ihre Sprache institutionell anzubieten statt von ihnen zu erwarten, die hiesige zu lernen. Intellektuell in der Hinsicht, daß die deutsche Verfassung, geboren aus den Erfahrungen einer gescheiterten Demokratie und den Lehren eines der größten Menschheitsverbrechen, zu den freiheitlichsten auf dieser Welt gehört und daß es die Pflicht aller hier lebenden Menschen ist, diese Verfassung zu bewahren und in vollem Umfang und ohne Wenn und Aber zu respektieren. Egal, ob sie in Deutschland oder in Afghanistan oder sonst wo geboren sind.

Friedrich Merz hat mit seinem Begriff der deutschen Leitkultur seinerzeit eine Debatte angestoßen, wie sie deutscher nicht sein kann. Zugegeben, der Begriff war mißverständlich und barg Mehrdeutigkeiten in sich. Aber statt zu fragen, was für ihn denn Leitkultur konkret bedeutet und wie er sie vorleben will, wurde dieser Begriff von seinen Gegnern politisch ausgeschlachtet und Merz in die rechte Ecke verschoben, in die er bestimmt nicht hineingehört. Eine weitere vertane Chance, sich darüber klar zu werden, was Deutsch sein denn heute ausmachen könnte.

Die deutsche Leitkultur, wie ich sie verstehe, ist die, die dazu führt, daß öffentliche und vor allem laute Kritik geübt wird, wenn deutsche Soldaten in den Krieg ziehen sollen.
Diese ausgeprägt pazifistische Grundhaltung, die ein tiefes Mißtrauen gegen Preußens Gloria entwickelt hat und die nach zwei begonnenen Weltkriegen auch durchaus angebracht erscheint.
Die nicht mehr davon beseelt ist, am deutschen Wesen die Welt genesen zu lassen.
Es ist deutsche Leitkultur, daß hier, ganz im Sinne des aufgeklärten Preußenkönigs, jeder nach seiner Facon selig werden kann und darf, wenn er bestimmte Grundregeln beherzigt und vor allem befolgt.
Und es ist diese Verfassung, die diese Grundregeln vorgibt und die den Menschen in den Vordergrund stellt, nicht nur den Deutschen.
Diese deutsche Leitkultur verpflichtet jeden Deutschen einerseits, sich dieses immer wieder zu vergegenwärtigen und dafür einzutreten, daß diese Verfassung tagtäglich mit Leben gefüllt wird. Sie berechtigt jeden Deutschen aber andererseits auch dazu, darauf zu pochen, daß der Inhalt dieser Verfassung für jeden und ohne Abstriche gilt, der in ihrem Einflußbereich lebt oder leben will.
Leitkultur also nicht im Sinne von einer Blaupause für den Rest der Welt, sondern als Grundlage und Konsens über die Zusammensetzung und die Regelung der inneren Gesellschaft. Nicht Nationalismus, sondern ein Gefühl dafür, wie man miteinander leben und umgehen möchte.

Das ist es, was „wir Deutschen“ nach außen hin selbstbewußt vertreten müssen. Dafür muß sich niemand schämen, insbesondere nicht die, die 1989 aus eigener Kraft ein Zwangsregime wegdemonstriert und damit das nachgeholt haben, was die 1848er nicht geschafft haben. Wenn „wir“ dieses Selbstbewußtsein (nicht gleichzusetzen mit Stolz, der wäre nun wahrlich dumm und peinlich) zu einer Selbstverständlichkeit werden lassen können, gepaart weiterhin mit dem ausgeprägten Hang zur inneren Kritik an allem, was Deutschland heißt, dann können „wir“ etwas vorleben, was Migranten dazu verleiten könnte, auch so leben zu wollen und ihren ideologischen Ballast der Heimat hinter sich zu lassen, um Teil dieses „Wir“ zu werden. Dann, und erst dann, hat Deutschland das Recht, sich Einwanderungsland zu nennen.

Veröffentlicht unter Deutschland, Gesellschaft, Politik | 2 Kommentare

Oh Gott, die Griechen !

Die EU hat über Jahre, im Einklang mit dem IWF und den internationalen Banken, geduldet, daß ihnen ein faules Ei (Griechenland, Italien, Frankreich) nach dem Anderen ins Nest gelegt wurde. All diese Volkswirtschaften basieren, im weit stärkerem Maße noch als bspw. in Deutschland, den Niederlanden oder Österreich, auf Lug und Trug und einem bestens etablierten System der gegenseitigen Hilfe von Politik und Wirtschaft zu Lasten der abhängig beschäftigten Steuerzahler oder der mittelständichen Wirtschaft.
Alle Insider haben fein geschwiegen und gedacht, wird schon, wie so oft, gut gehen. Sowohl Pasok als auch die andere Truppe (irgendwas mit christlich darf ja, wie „sozialdemokratisch“, im Parteienspektrum nie fehlen), die sich, analog zu den anderen EU-Staaten, in der Regierung pseudo-demokratisch abgewechselt haben, sind damit über Jahre ganz gut gefahren.

Jetzt ist der ganze Schwindel aufgeflogen, weil die etablierten Herren in Griechenland es etwas zu dolle getrieben haben. Da paßt es natürlich prima, daß die neue linke Regierung, die die Bürger nach der Entdeckung des Schwindels gewählt haben, als Sündenbock präsentiert werden kann; mit allen Stereotypen, die man für linke Politiker üblicherweise aufbietet.

Bis hin zu der unverschämten öffentlichen Herabwürdigung der Regierung durch die Vorsitzende des IWF oder den Eurogruppenchef. Wenn ich öffentlich meinen Verhandlungspartner als nicht erwachsen bezeichne, dann ist das weniger ein Nachweis von besonderer Intelligenz oder Sachorientiertheit als ein Ausdruck mangelnden Stils. Teure Klamotten, gegelte Haare, Hemd in der Hose, Krawatte und ein guter Friseur machen noch keine Frau oder gar Mann von Welt.

Die versammelte Journaille, ob Boulevard oder seriös (man mag die gar nicht mehr so bezeichnen), macht wie selbstverständlich mit. Das Volk kann mit „faulen Griechen“ auch besser leben als mit doofen oder, schlimmer noch, gewissenlosen Politikern die es selbst gewählt hat und somit mitverantwortlich für diese Misere ist. Für „die faulen Griechen“ kann ja keiner was und alle waschen ihre Hände in Unschuld und entrüsten sich folgenlos aber schön moralisch im Einklang mit SPIEGEL, BLÖD, Mutti und Siggi.

Ich bin fasziniert, daß alle über die Stöckchen springen, die ihnen von Politik und Presse hingehalten werden.

Syriza macht etwas, was sie vielleicht so nicht geplant oder gewollt haben. Sie führen die europäischen Regierungen in ihrer ganzen Verlogenheit vor.
Diese wiederum wollen um jeden Preis verhindern, das diese Verlogenheit der eigenen Wählerklientel offensichtlich wird. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht. Selbst, wenn dabei ganze Volkswirtschaften endgültig zusammenfallen und Millionen Menschen in Armut versinken. Deutlicher kann man den heute vorherrschenden Zynismus eigentlich nicht aus seiner schummrigen Ecke hervorholen.

Veröffentlicht unter Politik, Welt | 2 Kommentare